Künstler in den Ammergauer Alpen: heute mit Christina Dichtl

Heute geht es zum Glück weiter mit der Reihe „Künstler, Handwerker… Menschen in den Ammergauer Alpen“, denn es gibt hier so viele tolle und talentierte Leute, die ich auf dem Blog auf jeden Fall vorstellen möchte.

Ich habe es endlich geschafft mich mit Christina Dichtl in ihrem Atelier in Bad Bayersoien zu treffen und wir hatten ein ganz tolles Gespräch zusammen. Außerdem hat sie mir ihre Werke und aktuelle Aufträge gezeigt. Ich war sehr beeindruckt von ihrem Können, ihrer Vielfältigkeit als Künstlerin und ihrem Wertesystem!

Hallo Christina, danke für die Einladung! Erzähl uns doch bitte etwas über Dich.

Ich heiße Christina Dichtl und lebe und arbeite in Bad Bayersoien.

Von 1991 bis 1994 habe ich die staatliche Berufsschule für Holzbildhauer und Schnitzer in Oberammergau besucht. 1994-2002 habe ich an der Akademie der bildenden Künste in München, Fachrichtung Bildhauerei, studiert.

Seit 2002 bin ich selbstständige Bildhauerin und Malerin und arbeite vor allem an Auftragsarbeiten.  Regelmäßig zeige ich meine Arbeiten in diversen Gruppen- und Einzelausstellungen und bin Mitglied von Künstlervereinigungen in Oberammergau und Murnau.

Ich arbeite in mehreren Bereichen: Hinterglasmalerei, Zeichnen, Mosaik, Lüftlmalerei, Bildhauerei, Kalligrafie…  und gebe Unterricht auf Anfrage. Meistens arbeite ich in meinem eigenen, kleinen Atelier in Bad Bayersoien.

Wer / was hat Dich begeistert, bzw. wie hast Du Dein Talent entdeckt?

Mein Vater. Im Haus waren immer Farben und Pinseln, weil mein Vater Maler ist und  ich habe das Material immer verwenden dürfen. Mein Vater hat auch viel mit mir zusammen gemalt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich angefangen habe zu zeichnen und zu malen. Das muss sehr früh gewesen sein.

Dann die Region selber, weil hier wahnsinnig viel interessante Kreativität vorhanden ist, was man einfach sieht wenn man durchläuft und die Augen offen hat!

Dann natürlich die Menschen, mit denen ich zu tun hatte. Der Meister, bei dem ich gelernt hatte, ist ein immer noch sehr wichtiger, Konrad Saal aus Oberammergau.

Es ist mir immer gut gegangen wenn ich kreativ tätig war, schon als Kind. Ich hatte immer Stift und Papier dabei. Und ich hatte (und habe bis heute) immer große Freude daran!

Welche waren Deine größten Erfolge und Herausforderungen?

Große Erfolge sind sicherlich Wettbewerbsteilnahmen mit Gewinn, und anschließend der Verkauf der Arbeiten, die entstanden sind.

Bei Wettbewerbsteilnahmen steckt man sehr viel Zeit und Energie in die Arbeit und man weiß ja nicht, was am Ende dabei herauskommt! Das Bedürfnis so eine Arbeit zu machen und sich auf ein gestelltes Thema einzulassen ist schon sehr reizvoll, manchmal muss ich das einfach machen! Da ist der Wettbewerb dann gar nicht mehr so wichtig.

Trotzdem ist es dann besonders schön mit der entstandenen Arbeit einen Preis zu gewinnen. Und dass ich am Ende auch Käufer gefunden haben ist schon toll! Ich hätte gar nicht gewusst, wo ich z. B. das 7 qm große Mosaik aufbewahren soll.

Herausforderungen gibt es eigentlich ständig. Seit 19 Jahre arbeite ich in diesem Beruf und die Aufträge wiederholen sich so gut wie nie!

Es kommen immer wieder neue Herausforderungen mit den Aufträgen , neue Aufgaben, neue Anfragen. Es ist ganz selten, dass ich sage: „Aha, kann ich, mache ich und weiß ich, auch was m Ende dabei rauskommt!“. Es sind immer wieder neue Ideen, die von außen an mich herangetragen werden, die ich dann zur Umsetzung bringe und das sind schon Herausforderungen.

Es verändert sich ständig. Aber es ist natürlich schön, dass ich mittlerweile doch auf ein bisschen Erfahrung zurückgreifen kann.

Aktuell habe ich einen Kunden, der produziert Behälter (Urnen), und hier kann ich viele Techniken anwenden die ich bisher in anderem Zusammenhang benutzt habe. Also, ich kann darauf Mosaik machen, ich kann drauf malen oder schreiben, vergolden usw. Gleiche Technik, anderer Bildträger!

Im Moment erlebt die Hinterglasmalerei einen Aufschwung. Das ist gut für mich und für eine meiner am häufigsten angewandten Malweisen. Die Museen in der Gegend (Penzberg, Murnau, O-Gau …) haben ihre Hinterglasabteilungen und haben in letzte Zeit vermehrt Ausstellungen zum Thema. Auch moderne Hinterglasmalerei, es muss nicht nur die alte, traditionelle sein, es gibt ganz tolle neue Sachen.

Warum bist Du in den Ammergauer Alpen geblieben?

Weil es hier schön ist (lacht)! Vielleicht könnte ich überall leben, aber ich will nicht, und es muss ja auch nicht sein. 🙂

Ich arbeite meistens regional. So gefällt mir das, ich bin zufrieden damit. Ich möchte gar nicht noch viel mehr bewältigen müssen. Das was ich mache, möchte ich gut machen und es ist nicht mein Ziel immer mehr zu machen und immer größer und weiter zu denken.

Ich hatte mal eine Anfrage vom Hofbräu in Pittsburgh, USA, die neue Brauerei zu bemalen. Ganz knapp habe ich den Auftrag nicht bekommen. Hätte ich das gemacht, wer weiß, was dann gefolgt wäre und wo und was ich dann heute machen würde? Es kam nicht dazu, traurig bin ich darüber nicht.

Ich denke mir, wenn mir meine Arbeit zum Broterwerb reicht und es mir weiterhin so viel Spaß macht dann habe ich allen Grund zur Zufriedenheit.

Was sind Deine aktuellen Projekte

Wie gesagt, vor allem private Aufträge.

Ich stelle eine Krippe im Heimatmuseum in Seehausen aus.

Es kommt Mitte Dezember 2018 eine Ausstellung im botanischen Garten in München: Ich zeige Hinterglasbilder mit Schmetterlingsmotiven..

Für nächstes Jahr plane ich eine Ausstellung in der Orangerie in München. Ich möchte dafür neue Bilder malen, ich habe sie schon im Kopf!

Geplant ist eine Ausstellungsbeteiligung in Steingaden und eine Einzelausstellung wieder im Heimatmuseum Seehausen.

(Link zu den Projekten: http://dichtl-christina.de/?page_id=61)

Was ist Deine Zukunftsvision, für Deine Kunst und für die Region?

Wertschätzung…  Mehr Wertschätzung, weniger Wachstum. (Kommentar von „Oberammergau Erleben“ dazu: das wäre mal was! Das wäre wirklich toll!)

Liebe Christina, vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

 

Christina Dichtl
Ludwigstr. 1
82435 Bad Bayersoien

http://dichtl-christina.de/
christina-dichtl@t-online.de
+49 (0)8845 703644

Fotos einiger Arbeiten von Christina:

Kunst Bayern Bilder

Kastankrippe

Kunst Bayern Hinterglasbilder

Hinterglasbild „Werdenfelser Rind“

Kunst Bayern Bilder

Hinterglasbilder heimische Vogel-  oder Schetterlingsmotive

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kunst Bayern Künstler Holzbildhauer

Hl. Cäcilia von Rom (Holz)

2018-12-17T10:34:43+00:00 Dezember 9th, 2018|Interview|0 Comments

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